Grünes Internet

Die Anfänge des Internets reichen bis in die 1960er Jahre zurück. Mit dem Fortschritt der Anwendungsmöglichkeiten vervielfacht sich auch die Anzahl der Nutzenden. Immer mehr Menschen verbringen immer mehr Zeit im Netz. Mit der Einführung des Smartphones sind weite Teile der (Welt-)Bevölkerung dauerhaft online. Neben gesellschaftlichen, politischen und ethischen Fragen möchten wir in unserem Blog auch die Auswirkungen dieser Situation auf die Umwelt, genauer den Energiebedarf, diskutieren.

Die Datenlage: Der globale Energiebedarf

Bildquelle: International Energy Agency, 2020 [1]

Der globale Energiebedarf steigt kontinuierlich an. Um dies zu verdeutlichen, müssen wir in die wissenschaftliche Datenlage einsteigen. Der globale Energiekonsum wird in der Regel in Öleinheiten gemessen, auch wenn es sich möglicherweise um eine andere Energieform handelt. Deshalb wird eine Öleinheit auch oftmals als Ölequivalent bezeichnet. Eine Öleinheit entspricht der Menge, die beim Verbrennen von einem Kilogramm Erdöl freigesetzt wird. [1, 2]

Obwohl sich der Energiekonsum seit 2000 wegen des sehr hohen Ausgangsniveaus und des technologischen Fortschritts in den westlichen OECD-Staaten kaum verändert hat, ist in Asien, insbesondere China, ein starker Anstieg erkennbar. Während im Jahr 2000 etwa 7.000 Megatonnen Öleineinheit (Mtoe) verbraucht wurden, liegt der weltweite Verbrauch heutzutage bei über 10.000 Mtoe. Zum Verständnis: Ein Mtoe entspricht 11,63 Terawattstunden (TWh) bzw. 11,63 Billionen Wattstunden, also dem durchschnittlichen Energiebedarf von knapp 750.000 deutschen Haushalten innerhalb eines Jahres. [1, 2, 3]

Im gleichen Zeitraum haben sich die CO2-Emissionen durch den Enegieverbrauch von 10,5 Gigatonnen (Gt) auf etwa 22 Gt sogar mehr als verdoppelt. Die Diskrepanz zwischen dem Anstieg des Energieverbrauchs und dem viel stärkeren Anstieg der CO2-Emissionen ist auf die Unterschiede des CO2-Ausstoßes je nach Energiequelle zurückzuführen. So ist beispielsweise die Energiegewinnung durch Kohle CO2 intensiver als durch Gas. [4]

Der Energiebedarf des Internets

Bildquelle: Mozilla, 2018 [6]

Mit dem Ausbau und der Verbreitung des Internets ist auch dieser Sektor heute in erheblichem Maße an dem steigenden Energiebedarf beteiligt. Die Server und Rechenzentren stoßen heute schon so viel CO2 aus, wie der globale Luftverkehr. Der Anteil am Energiekonsum des Internets beläuft sich bereits auf über 10 Prozent. Je nach Schätzung bleibt dieser Anteil in optimistischeren Szenarien relativ stabil auf etwa 10 Prozent, wobei die wahrscheinlichsten Prognosen einen Anstieg auf etwa 20 Prozent in diesem Jahrzehnt voraussagen. Somit wird die Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) vermutlich bereits 2025 mehr CO2-Emissionen erzeugen als jeder Staat der Erde, abgesehen von China, Indien und den USA. [5, 6]

Zudem müssen zum einen die Endgeräte von einer immer weiter wachsenden Zahl von Endnutzer:innen, wie zum Beispiel Computer, Smartphones oder auch IoT-Geräte berücksichtigt werden, aber viel wichtiger noch die massiven Rechenzentren, welche zum Betrieb und zur Vernetzung dieser Geräte zum Einsatz kommen. Wenn man diese Endgeräte in die Schätzung einbezieht, könnte der Anteil sogar bei knapp über 50 Prozent des globalen Energiebedarfs bis Ende des Jahrzehnts liegen. [7, 8]

Energie im Internet wird nicht nur durch den dauerhaften Betrieb der Rechenzentren benötigt, sondern insbesondere auch für deren Kühlung. Komplexe Kühlsysteme machen mittlerweile etwa 40 Prozent des Energieverbrauchs der Rechenzentren aus. Der Digitalisierungsdruck durch die anhaltende Pandemie leistet wohl auch einen eigenen Beitrag zum Anstieg der CO2-Emissionen durch das Netz. Sicherlich wird durch die Digitalisierung an anderen Stellen, an denen analoge Prozesse wie beispielsweise Reisen notwendig waren, auch CO2 eingespart. Dennoch bietet der steigende Anteil der IKT am globalen Energiekonsum einen erheblichen Anlass zu nachhaltigen Reformen, ganz zu schweigen vom ansteigenden Elektroschrott, der jedoch nicht das Thema an der Stelle sein soll. [6, 9, 10]

Die Rolle globaler Technologiekonzerne

Um die Energie zur globalen Kommunikation flächendeckend nachhaltig zu gestalten, sind insbesondere die großen, globalen Akteure, wie Unternehmen und Staaten, in der Verantwortung. Die Verantwortung erwächst nicht nur aus moralischen Gesichtspunkten, sondern auch aus ökonomischen, ökologischen und gesundheitlichen Argumenten heraus. Es scheint eindeutig, dass wir als Gesellschaft, als Staaten und als Menschheit insgesamt den immer stärker wachsenden negativen Effekt unserer Technologie auf die Umwelt nicht länger ignorieren können. In der Volkswirtschaftslehre spricht man in dem Zusammenhang von Externalitäten bzw. externen Effekten. Externe Effekte sind unkompensierte Auswirkungen ökonomischer Entscheidungen auf Unbeteiligte, also Auswirkungen, für die niemand bezahlt oder einen Ausgleich erhält. Konkret ist damit gemeint, dass oftmals die Kosten negativer Auswirkungen auf die Umwelt nicht von den verursachenden Institutionen getragen werden müssen. [7]

Problematisch ist in dem Kontext das Phänomen des sogenannten Greenwashings. Greenwashing ist der Fachbegriff für Öffentlichkeitsarbeit, die darauf abzielt, einem Unternehmen öffentlich ein grünes und nachhaltiges Image zu verleihen, obwohl es objektiv keine Grundlage dazu gibt. Somit handelt es sich dabei um irreführendes Marketing. Greenwashing kann dabei viele Formen annehmen, um Konsument:innen nahezulegen es handele sich um umweltfreundliche Dienste und/oder Produkte. Insbesondere Framing, Ablenkung, Ungenauigkeiten und auch Intransparenz gehören zu beliebten Mitteln. [11]

Die als unabhängig geltende, internationale Umweltorganisation Greenpeace veröffentlichte im Jahr 2017 eine Einordnung einzelner Konzerne hinsichtlich ihrer energetischen Nachhaltigkeit. Der “Company-Score” wurde anhand verschiedener Kriterien, wie Transparenz, der Zusage zur Nutzung erneuerbarer Energien, der Energieeffizienz, der Nutzung erneuerbarer Energien sowie der Fürsprache für den Einsatz erneuerbarer Energien gebildet. Dabei zeigt sich ein sehr vielfältiges Bild der globalen Unternehmen. Während Apple, Facebook und Google die besten Bewertungen der untersuchten Konzerne erreichten, sind die Punktzahlen von Microsoft, Amazon, Spotify, Baidu und Alibaba nicht ganz so gut bis kritisch zu interpretieren. Wichtig ist anzumerken, dass es sich dabei nicht um eine Einstufung der Nachhaltigkeit insgesamt handelt, sondern hauptsächlich um Nachhaltigkeit bei der Auswahl der Energiequellen, also beispielsweise nicht die Nachhaltigkeit physischer Produkte oder anderer Konzernpraktiken. [6, 9, 12]

Doch auch das Ziel der Konzerne hauptsächlich oder gänzlich grüne Energie zu nutzen, entstand erst durch öffentlichen Druck. Während dieser Aspekt in den späten 2000ern in der jeweiligen Konzernpolitik keinen Platz einnahm, gewann es in der Zwischenzeit größeres öffentliches Aufsehen und somit neben allgemeinem Bewusstsein und Sensibilisierung für das Thema auch wirtschaftliche und Image-bezogene Anreize für Unternehmen. Dennoch ist eine rasche, wirklich nachhaltige Unternehmenspolitik vermutlich nicht ohne staatlich festgelegte Standards und ohne politischen Willen möglich. [13]

Individuelle Handlungsempfehlungen

In diesem Abschnitt möchten wir euch individuelle Handlungsempfehlungen an die Hand geben, um euren Energiebedarf im Internet zu reduzieren und den Übergang zu nachhaltigen Energiequellen im Alltag zu unterstützen. Es geht dabei explizit um das Online-Verhalten und nicht um einen Vergleich des Energieverbrauchs verschiedener Hardware und Endgeräte. [14, 15]

1. Nutzung nachhaltiger Dienste

Die Nutzung energetisch nachhaltiger Dienste setzt eine Auseinandersetzung mit dem Thema und Informationen voraus. Informiert euch regelmäßig und passt euer tägliches Nutzungsverhalten möglichst diesen Informationen an. Für die meisten Dienste gibt es nachhaltige, umweltfreundlichere Alternativen, d.h. nutzt ihr beispielweise einen Musikstreaming-Dienst, der offenkundig kaum erneuerbare Energien verwendet, könnt ihr zu einem nachhaltigeren Dienst wechseln.

2. Überflüssige Inhalte löschen

Alle Dateien und Informationen benötigen Speicherkapazität in großen Rechenzentren, die zum Teil den enormen Energiebedarf des Internets befeuern. Insbesondere wenn Online-Speichermedien genutzt werden, kann es deswegen von Vorteil sein überflüssige Dateien regelmäßig zu löschen. Das gilt übrigens auch für E-Mails. Eine Studie der Universität Lancaster schätzt den durchschnittlichen CO2-Ausstoß durch eine einzige E-Mail auf 4g CO2. Nach dieser Schätzung verbrauchen “typische” Geschäftsleute im Jahr etwa 135kg CO2 nur durch Mails, was wiederum einer mit dem Auto zurückgelegten Strecke von über 300km entspricht. Zu berücksichtigen ist hierbei, das ein Großteil dieses Energieverbrauchs bereits beim Versenden und Empfang der E-Mail entsteht, dennoch verbraucht auch das Archivieren und Abrufen großer Mengen von Daten eine nicht unherbeliche Menge an Energie. Übrigens macht es einen gravierenden Unterschied, ob speicherintensive Anhänge einer Mail hinzugefügt werden oder nicht. Selbiges gilt natürlich auch für genutzten Cloudspeicher.

3. TV statt Streaming, lokal statt online

Natürlich ist unser empfohlener Ansatz nicht jeglichem Streaming fernzubleiben, sondern ein Bewusstsein für das Thema zu schaffen und aufzuklären. Denn es macht einen Unterschied, ob man eine Sendung live im TV-Gerät schaut oder in einer Mediathek streamt. Bei vergleichbaren Endgeräten ist das Live-Programm des TVs weniger energieintensiv als das Streaming. Selbiges gilt für andere Streamingformen wie zum Beispiel Musik.

4. Autoplay-Funktionen abschalten

Sicherlich haben wir das alle schon öfter erlebt. Man streamt am Abend einen Film oder ein Video und schläft dabei ein. Um einen unnötigen Energieverbrauch des Streams zu vermeiden, sollte deshalb die Autoplay-Funktion von Video- oder auch Audio-Streams möglichst deaktiviert werden.

5. Auflösung reduzieren

Um die übertragene Datenmenge und somit den Energieverbrauch zu minimieren, kann die Auflösung reduziert werden. Gute Filme und Serien möchte man normalerweise in der bestmöglichen Qualität schauen. Als Alltagstipp sollte darum zumindest darauf geachtet werden, Streams, die man eher im Hintergrund oder nebenbei laufen lässt, die Auflösung des Videos zu senken und wenn möglich den Videostream zu deaktivieren. Auch sollte die Streamqualität auf das jeweilige Endgerät angepasst werden. Beispielsweise muss es auf kleinen Bildschirmen, wie z.B. einem Smartphone, nicht immer die höchst mögliche Auflösung sein.

Grüne Energie & ViOffice

ViOffice ist für uns kein Selbstzweck, sondern wir sehen es als ein unternehmerisches Projekt, welches sich an nachhaltiger, ethischer und sozial gerechter Zukunftsfähigkeit orientiert. Jegliche betrieblichen Tätigkeiten wägen wir nach diesen Grundprinzipien ab. Uns ist bewusst, dass gerade der Software- und IT-Bereich ein treibender Faktor im steigenden Energiebedarf des globalen Nordens ist.

So setzen wir auf nachhaltige Energiequellen für unsere digitale Infrastruktur, d.h. unsere Server werden seit unserer Gründung ausschließlich mit erneuerbaren Energien betrieben. Wir haben uns explizit für Datenzentren und Serverhardware entschieden, welche geprüft und zertifiziert auf hohe Energieeffizienz aufbauen und die ausschließlich mit Strom aus Wind- und Wasserkraft oder Solarenergie versorgt werden. Zudem achten wir auf effiziente Serverauslastung um Kosten zu sparen und Energie optimal zu nutzen.

Quellen

  1. International Energy Agency (2020): Key World Energy Statistics 2020. Online unter: https://www.iea.org/reports/key-world-energy-statistics-2020/final-consumption [01.08.2020].
  2. Parrisius, Anna (2019): Was unser Digitalkonsum an Energie kostet. Online unter: https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/stromfresser-internet-wie-viel-strom-wir-im-einzelnen-verbrauchen/25182828-2.html [06.11.2019].
  3. Umweltbundesamt (2020): Energieverbrauch privater Haushalte. Online unter: https://www.umweltbundesamt.de/daten/private-haushalte-konsum/wohnen/energieverbrauch-privater-haushalte#endenergieverbrauch-der-privaten-haushalte [01.07.2020].
  4. International Energy Agency (2020): Global CO2 emissions in 2019. Online unter: https://www.iea.org/articles/global-co2-emissions-in-2019 [11.02.2020].
  5. Andrea, Anders (2017): Total Consumer Power Consumption Forecast. Online unter: https://www.researchgate.net/publication/320225452_Total_Consumer_Power_Consumption_Forecast [01.10.2017].
  6. Mozilla (2018): Internet Health Report 2018. Online unter: https://internethealthreport.org/2018/das-internet-verbraucht-mehr-strom-als/?lang=de [01.04.2018].
  7. Oghia, Michael (2017): Sustainability is Good for the Internet (and Business too). Online unter: https://labs.ripe.net/author/michael_oghia/sustainability-is-good-for-the-internet-and-business-too/ [23.06.2017].
  8. Andrae, Anders; Edler, Tomas. (2015): On Global Electricity Usage of Communication Technology: Trends to 2030. In Challenges 6, No. 1: 117-157. Online unter https://doi.org/10.3390/challe6010117
  9. Hoppenstedt, Max (2020): Als Internetnutzer tragen wir unabsichtlich zur Umweltzerstörung bei. Online unter: https://www.sueddeutsche.de/digital/klimawandel-internet-1.4756251 [15.01.2020].
  10. Schaffer, Mark (2017): Electronics Standards Are In Need of Repair. Repair.ORG. Online unter: https://www.repair.org/s/Report-Electronic-Standards-Are-In-Need-of-Repair.pdf
  11. Cresmer, Katelyn (2020): What is Greenwashing? Online unter: https://greenandthistle.com/what-is-greenwashing/
  12. Greenpeace (2017): Clicking Clean. Who is winning the race to build a green internet. Online unter: http://www.clickclean.org/downloads/ClickClean2016 HiRes.pdf [01.01.2017].
  13. Cook, Gary (2017): Why we need Netflix to join the race towards a green internet Online unter: https://wayback.archive-it.org/9650/20200401163125/http://p3-raw.greenpeace.org/international/en/news/Blogs/makingwaves/click-clean-netflix-green-internet-tech/blog/58602/ [Archivierte Version vom 01.04.2020]
  14. E.ON (2021): Stromverbrauch Internet. Online unter: https://www.eon.de/de/pk/strom/strom-sparen/stromverbrauch-internet.html
  15. Griffiths, Sarah (2020): Why your internet habits are not as clean as you think. Online unter: https://www.bbc.com/future/article/20200305-why-your-internet-habits-are-not-as-clean-as-you-think [06.03.2020].
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